Ein Nest ist ein wahres Wunderwerk. Gebaut aus natürlichen Materialien wie Ästen, Zweigen, Blättern, Moos und Ranken bietet es den Vögeln Stabilität und ein gemütliches Zuhause. Außer ihren Schnäbeln benutzen sie in der Regel kein Werkzeug. Können auch Menschen ein solches Nest bauen? Dieser Frage wollte ich im Rahmen eines Kunstprojekts nachgehen. In dem Münchner Umweltverein Green City e. V. habe ich einen inspirierenden Kooperationspartner gefunden.

Warum gerade Vögel als Vorbild? „Beobachte die Vögel“ hat schon Jesus gesagt. „Sie produzieren keinen Müll, sie verbreiten die Samen von Pflanzen und spielen eine wichtige Rolle im ökologischen Gleichgewicht.“ Und sie sind großartige Nesterbauingenieure.

Warum gerade Ella-Lingens-Platz? Dieser Platz liegt bei mir um Eck und wurde auf dem ehemaligen Agfagelände mitsamt einer „gehobenen“ Wohnsiedlung hochgezogen. Es ist ein großer verkehrsarmer Platz, der das Zeug zu einem echten Vierteltreffpunkt hätte. Stattdessen empfinden ihn die Nachbarn als abweisend und in der letzten Bürger*innenversammlung Obergiesing wurde er sogar als „Hitzeinsel“ bezeichnet. Bereits 2019 habe ich das Riesennest für diesen Ort entworfen, doch dann kam Corona und dann fand dort ein regelmäßiger Wochenmarkt statt, der aber wieder eingestellt wurde.

Zwischen 20. und 22. April war es endlich soweit: Baumbua Baumpflege lieferte den Astbeschnitt. Dazu musste er gleich zwei mal kommen. Zunnächst wurde das Material eingezäunt. Dann legte das Team nach einer kurzen Vorbesprechung los. Es bestand aus: Nadja Gruber, Lehrerin mit der Klasse 7a der städtischen Mittelschule an der Fromundstraße, Marion Eder von Green City e.V. verstärkt durch zwei Praktikantinnen und ich. Spontane Helfer kamen dazu, unter anderem erhielten wir auch Unterstützung von dem Immobilientverwaltungsteam der anliegenden Wohnanlage. Für die leiblichen Bedürfnissse sorgte das Motel One am Platz unter anderem mit sehr leckeren (!) Teilchen vom Frühstücksbüffet.

Manche der Nestbauenden legten sofort los, andere mussten sich ein bisschen reinfuchsen. Zunächst wurde die Größe auf den Boden gezeichnet, dann Äste darauf ausgelegt und ineinander verzahnt, dazu wurde der Innenteil mit schräg angesetzten Ästen verbunden. Bereit am Tag eins war der Boden fertig. Das Nest würde nicht ganz rund, eher etwas länglich sein und über stolze 3,50 Länge aufweisen. Da es noch nicht fertig war, friedeten wir das Nest gemeinsam mit dem Asthaufen in die Bauzäune ein. Sofort fanden sich unter den Schülern einige Bauzaun-Spezialisten, die die großen Teile gekonnt herumwuchteten.

Am zweiten Tag wurde die Lehne angebaut und die Schwelle verstärkt. Ein kleines Team befasste sich mit dem Stopfen der Löcher. Am Ende des Projekttages hatte das Nest deutlich Gestalt angenommen.

Am Tag drei waren Feinschliffarbeiten und Auspolstern angesagt, unterbrochen von einem tollen Picknick mitten in der Asphaltwüste des Platzes. Pünktlich um 12 Uhr waren die Arbeiten dann beendet. Und es trudelten die Gäste zur Eröffnungszeremonie ein, unter anderen eine ganze Grundschulklasse aus der Fromundstraße. Es gab Urkunden für die Nestbauer, Poetin Isis Marschall trug ihr extra gedichtes Werk „Menschennester“ vor. Schließlich hielt Mia aus der 7a eine lebendige Rede, bevor dann endlich das Absperrband durchtrennt und das Nest der Öffentlichkeit übergeben wurde.

Ein paar Impressionen:

Chillen im Nest
Isis trägt das Gedicht „Menschennester“ vor
Bauarbeiten
Picknick
Bauarbeiten
Andrea und Marion von Green City, Sascha vom Baumbua
Die ersten Äste
Vorbesprechung am 17.4. mit Lehrerin Nadja Gruber und Marion Eder
Der „Baumbua“ hat’s gebracht: Material für den Nestbau, ab 20. April am Ella-Lingens-Platz

Green City e.V.
Städtische Mittelschule an der Fromundstraße
Baumbua Baumpflege
ÖBZ
Ella-Lingens-Platz

Im Rahmen eines Symposiums zum Thema Biodiversität im ÖBZ (Ökologisches Bildungszentrum) hatte ich mit den Teilnehmenden eines Workshops im November 2025 schon mal geübt. Von da sind die tollen Fotos. Und ja, es hat Spaß gemacht!

Abschluss eines inspirienden Symposiums
Endlich chillen …
Selbstversuch
Schneebedeckt © Steffi Kehr